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Schulterluxation
GlenohumeralVordere, hintere, untere · Hill–Sachs, Bankart, Tuberculum majus
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In 3D öffnen →Das Glenohumeralgelenk ist das am häufigsten luxierte grosse Gelenk: ein grosser Kopf auf einer kleinen, flachen Gelenkpfanne, vorwiegend weichteilig stabilisiert. Die meisten Luxationen sind vordere. Junge Patienten reluxieren (Labrumabriss: Bankart), ältere erleiden eine Rotatorenmanschettenruptur oder eine Fraktur des Tuberculum majus.

Mechanismus
Vordere: Sturz oder Tackling bei abduziertem und aussenrotiertem Arm. Hintere: Krampfanfall, Stromunfall, Sturz auf den ausgestreckten Arm in Innenrotation. Untere: Hyperabduktion.
Klinik
- Epaulettenphänomen, Arm vom Körper abgespreizt gehalten, keine Rotation möglich.
- Vor und nach der Reposition: N. axillaris (Sensibilität über dem Regimentsabzeichen-Areal, Kontraktion des M. deltoideus), Radialispuls und Neurologie der Hand.
- Ab etwa 40 Jahren: Rotatorenmanschette testen, sobald die Schmerzen nachlassen.
- Hintere Luxation: Arm in Innenrotation fixiert, keine Aussenrotation möglich. Wird leicht übersehen.
Bildgebung
- AP in der Skapulaebene plus Y-Aufnahme oder axiale Aufnahme: immer zwei Ebenen, vor und nach der Reposition.
- Auf eine Fraktur des Tuberculum majus oder des Glenoidrands sowie eine Humerushalsfraktur achten (eine Luxationsfraktur nicht auf der Notfallstation reponieren).
- Nach einer Erstluxation bei jungen Patienten oder bei grosser knöcherner Läsion: CT; MR-Arthrografie für Labrum und Rotatorenmanschette.
Klassifikation
- Richtung
- Vordere (subkorakoidal, subglenoidal, subklavikulär), hintere, untere (Luxatio erecta).
- Hill–Sachs
- Impression des posterolateralen Humeruskopfs durch den Glenoidrand.
- Bankart
- Abriss des anteroinferioren Labrums (weichteilig) oder Pfannenrandfraktur (knöchern) vom Glenoid.
- Luxationsfraktur
- Mit Fraktur des Tuberculum majus, des Collum chirurgicum oder des Collum anatomicum (siehe proximaler Humerus).
Typen in 3D
- Vordere (subkorakoidal)
- Etwa 95% der Schulterluxationen. Der Kopf tritt vor dem Glenoid aus und kommt unter dem Korakoid zu liegen; der Arm wird leicht abduziert und aussenrotiert gehalten, die Schulter wirkt eckig.
- Hintere
- Selten (2–4%) und oft übersehen: nach epileptischen Anfällen und Stromunfällen. Der Arm ist in Innenrotation fixiert; die AP-Aufnahme zeigt den «Glühbirnen»-Kopf und ein leeres vorderes Glenoid. Immer eine axiale oder Y-Aufnahme anfertigen.
- Untere (Luxatio erecta)
- Der Kopf wird unter das Glenoid gehebelt, der Arm ist gestreckt über Kopf fixiert. Hohe Rate an Verletzungen von N. und A. axillaris sowie an Rotatorenmanschettenrupturen oder Frakturen des Tuberculum majus.
- Vordere + Tuberculum majus
- Bei Patienten ab etwa 40 Jahren reisst die Manschette häufig das Tuberculum majus aus, statt selbst zu reissen. Das Fragment reponiert sich meist mit dem Kopf; bleibt es um mehr als etwa 5 mm disloziert, ist eine Osteosynthese nötig.
- Vordere + knöcherner Bankart
- Der Kopf schert den anteroinferioren Glenoidrand ab. Ein grosses Randfragment (mehr als etwa 20% der Glenoidbreite) hinterlässt eine instabile Schulter: refixieren oder das Glenoid rekonstruieren (Latarjet).
Behandlung
- Reposition
- Analgesie/Sedation, dann eine schonende Technik: Aussenrotation (nur der erste Schritt nach Kocher), Cunningham-Massage, FARES oder Zug–Gegenzug; Methode nach Hippokrates nur behutsam. Neurovaskulären Status prüfen und Röntgen wiederholen.
- Nach einer Erstluxation
- Armschlinge nach Bedarf 1–3 Wochen, dann Physiotherapie. Junge aktive Patienten (hohe Rezidivrate) oder grosser knöcherner Bankart: frühe arthroskopische Bankart-Refixation oder Latarjet erwägen.
- Luxationsfraktur
- Disloziertes Tuberculum majus (> 5 mm): Osteosynthese. Halsfraktur mit Luxation: Reposition im OP und Osteosynthese oder, bei Betagten, Arthroplastik.
- Hintere / chronische
- Geschlossene Reposition in Anästhesie; grosse reverse Hill–Sachs-Läsionen erfordern eine Operation nach McLaughlin, eine Knochentransplantation oder eine Arthroplastik.
Nachbehandlung
Physiotherapie für Rotatorenmanschette und Skapulakontrolle; Abduktion–Aussenrotation 6 Wochen nach einer vorderen Erstluxation vermeiden.
Komplikationen
- Rezidiv (bis 80–90% unter 20 Jahren)
- Parese des N. axillaris
- Rotatorenmanschettenruptur (ältere Patienten)
- Übersehene hintere Luxation
- Fraktur bei der Reposition (iatrogene Halsfraktur)
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