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Beckenringverletzungen
AO/OTA 61Von Schambeinastfrakturen bis Open Book
In 3D an den echten Knochen ansehen, verschieben und reponieren, mit simuliertem Röntgen und CT – kostenlos im Browser.
In 3D öffnen →Das Becken ist ein Ring: Ein Bruch an einer Stelle bedeutet meist eine zweite Verletzung an anderer Stelle (oft Iliosakralgelenk oder Sakrum). Die Stabilität hängt von den dorsalen Bändern ab. Hochrasanzverletzungen können massiv aus dem Venenplexus und dem frakturierten Knochen bluten.

Mechanismus
Niedrigenergetisch: Stürze älterer Menschen (Schambeinäste, Insuffizienzfraktur des Sakrums). Hochrasanz: Verkehrsunfälle, Quetschverletzungen, Stürze aus grosser Höhe.
Klinik
- ATLS: Beckengurt (Pelvic Binder) bei hämodynamischer Instabilität auf Höhe der Trochanteres majores zentriert anlegen; das Becken nicht wiederholt auf Stabilität prüfen.
- Auf Urethraverletzung (Blut am Meatus), Rektum- und Vaginalverletzung (offene Fraktur) sowie lumbosakrale Nervenausfälle achten.
Bildgebung
- Beckenübersicht a.-p. im Schockraum.
- Inlet- (40° kaudal) und Outlet-Aufnahme (40° kranial) oder CT mit Rekonstruktionen (in den meisten Zentren Standard).
- CT-Angiographie bei hämodynamischer Instabilität und Verdacht auf Kontrastmittelaustritt (Blush); Urethrographie bei Blut am Meatus.
- Beckenübersicht AP im Schockraum; CT mit Kontrastmittel. Inlet- und Outlet-Aufnahmen zur Beurteilung der Dislokation.
Klassifikation
- 61A
- Hinterer Beckenring intakt (stabil): Ausrissfrakturen, Beckenschaufel, isolierte Schambeinäste.
- 61B
- Inkomplette dorsale Unterbrechung (rotatorisch instabil): B1 Open Book, B2 laterale Kompression.
- 61C
- Komplette dorsale Unterbrechung (rotatorisch und vertikal instabil).
- Young–Burgess
- Nach Mechanismus: laterale Kompression (LC I–III), anteroposteriore Kompression (APC I–III), vertikale Scherung, kombiniert.
Typen in 3D
- 61A2 (Schambeinäste)
- Isolierte Schambeinastfrakturen, hinterer Beckenring intakt: stabil. Mobilisation nach Schmerztoleranz (ältere Patienten). Im CT auf eine okkulte Sakrumfraktur achten.
- 61B1 Open Book (APC)
- Anteroposteriore Kompression: Die Symphyse öffnet sich und beide Hemipelves rotieren bei intakten dorsalen Bändern nach aussen. Zuerst Beckengurt; Symphysenplatte.
- 61B2 laterale Kompression
- Ein seitlicher Anprall drückt die Hemipelvis nach innen: Schambeinastfrakturen mit Innenrotation (und Stauchung des Sakrums). Oft stabil genug für eine konservative Behandlung.
- 61C1 vertikale Scherung
- Komplette dorsale Unterbrechung: Die Hemipelvis wandert nach kranial und dorsal. In jede Richtung instabil: Extension, dann iliosakrale Schrauben und ventrale Fixation.
Behandlung
- Stabil (61A, LC I)
- Analgesie, Mobilisation mit Belastung nach Schmerztoleranz; Osteoporoseabklärung bei älteren Patienten.
- Blutender Patient
- Beckengurt, Volumentherapie mit Blutprodukten, dann Angioembolisation und/oder präperitoneales Packing; Fixateur externe oder C-Klemme.
- Instabil (61B/C)
- Definitive Versorgung: Symphysenplatte bei Open Book; iliosakrale oder transsakrale Schrauben, ventrale Platten oder dorsale Zuggurtung bei dorsaler Instabilität.
Nachbehandlung
Teilbelastung der verletzten Seite für 6–12 Wochen bei instabilen Verletzungen.
Komplikationen
- Blutung
- Urogenitale Verletzung, sexuelle Funktionsstörung
- Chronische dorsale Schmerzen, Beinlängendifferenz
- Venöse Thromboembolie
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