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Beckenringverletzungen

AO/OTA 61

Von Schambeinastfrakturen bis Open Book

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Das Becken ist ein Ring: Ein Bruch an einer Stelle bedeutet meist eine zweite Verletzung an anderer Stelle (oft Iliosakralgelenk oder Sakrum). Die Stabilität hängt von den dorsalen Bändern ab. Hochrasanzverletzungen können massiv aus dem Venenplexus und dem frakturierten Knochen bluten.

Open-Book-Verletzung des Beckens
Open-Book-Verletzung des Beckens. Pfeil: weite Symphysendiastase nach Trauma. — © Nevit Dilmen, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.

Mechanismus

Niedrigenergetisch: Stürze älterer Menschen (Schambeinäste, Insuffizienzfraktur des Sakrums). Hochrasanz: Verkehrsunfälle, Quetschverletzungen, Stürze aus grosser Höhe.

Klinik

Bildgebung

Klassifikation

61A
Hinterer Beckenring intakt (stabil): Ausrissfrakturen, Beckenschaufel, isolierte Schambeinäste.
61B
Inkomplette dorsale Unterbrechung (rotatorisch instabil): B1 Open Book, B2 laterale Kompression.
61C
Komplette dorsale Unterbrechung (rotatorisch und vertikal instabil).
Young–Burgess
Nach Mechanismus: laterale Kompression (LC I–III), anteroposteriore Kompression (APC I–III), vertikale Scherung, kombiniert.

Typen in 3D

61A2 (Schambeinäste)
Isolierte Schambeinastfrakturen, hinterer Beckenring intakt: stabil. Mobilisation nach Schmerztoleranz (ältere Patienten). Im CT auf eine okkulte Sakrumfraktur achten.
61B1 Open Book (APC)
Anteroposteriore Kompression: Die Symphyse öffnet sich und beide Hemipelves rotieren bei intakten dorsalen Bändern nach aussen. Zuerst Beckengurt; Symphysenplatte.
61B2 laterale Kompression
Ein seitlicher Anprall drückt die Hemipelvis nach innen: Schambeinastfrakturen mit Innenrotation (und Stauchung des Sakrums). Oft stabil genug für eine konservative Behandlung.
61C1 vertikale Scherung
Komplette dorsale Unterbrechung: Die Hemipelvis wandert nach kranial und dorsal. In jede Richtung instabil: Extension, dann iliosakrale Schrauben und ventrale Fixation.

Behandlung

Stabil (61A, LC I)
Analgesie, Mobilisation mit Belastung nach Schmerztoleranz; Osteoporoseabklärung bei älteren Patienten.
Blutender Patient
Beckengurt, Volumentherapie mit Blutprodukten, dann Angioembolisation und/oder präperitoneales Packing; Fixateur externe oder C-Klemme.
Instabil (61B/C)
Definitive Versorgung: Symphysenplatte bei Open Book; iliosakrale oder transsakrale Schrauben, ventrale Platten oder dorsale Zuggurtung bei dorsaler Instabilität.

Nachbehandlung

Teilbelastung der verletzten Seite für 6–12 Wochen bei instabilen Verletzungen.

Komplikationen

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