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Thorakolumbale Frakturen
AO Spine TLKompression bis Berstung (Typ A)
In 3D an den echten Knochen ansehen, verschieben und reponieren, mit simuliertem Röntgen und CT – kostenlos im Browser.
In 3D öffnen →Die meisten Frakturen treten am thorakolumbalen Übergang (T11–L2) auf, wo der steife Thorax auf die mobile Lendenwirbelsäule trifft. Die Schlüsselfragen sind, ob die Hinterkante frakturiert ist (Berstung, Spinalkanaleinengung), ob die dorsale Zuggurtung zerrissen ist und ob ein neurologisches Defizit vorliegt.
Mechanismus
Axiale Stauchung mit Flexion (Stürze, Verkehrsunfälle); niedrigenergetische osteoporotische Kompression bei älteren Menschen.
Klinik
- Wirbelsäulenimmobilisation; vollständige neurologische Untersuchung (ASIA); auf eine Stufe oder Lücke zwischen den Dornfortsätzen palpieren.
- Kalkaneusfrakturen und eine zweite Wirbelsäulenfraktur sind bei Stürzen aus grosser Höhe häufig.
Bildgebung
- Thorakolumbale Wirbelsäule a.-p. und seitlich (oder beim Hochrasanztrauma direkt CT: gesamte Wirbelsäule).
- CT bei jeder Fraktur mit Verdacht auf Beteiligung der Hinterkante (Berstungsfraktur): Spinalkanaleinengung, posteriore Elemente.
- MRT bei neurologischem Defizit oder Zweifel am posterioren Ligamentkomplex (TLICS/AO „M1“).
- Die gesamte Wirbelsäule abbilden: nicht benachbarte Frakturen in etwa 10 %.
- Röntgen, dann CT bei jedem Frakturverdacht; MRT bei neurologischem Defizit, Verdacht auf Verletzung des dorsalen Bandkomplexes oder zur Altersbestimmung osteoporotischer Frakturen (Ödem in STIR).
Klassifikation
- A0–A4
- Kompressionsverletzungen: A1 Keilfraktur (eine Deckplatte), A2 Spaltfraktur, A3 inkomplette Berstungsfraktur (eine Deckplatte + Hinterkante), A4 komplette Berstungsfraktur (Deck- und Grundplatte).
- B1–B3
- Versagen der Zuggurtung: B1 knöcherne Chance-Fraktur, B2 Zerreissung des dorsalen Bandkomplexes, B3 Hyperextension.
- C
- Translation oder Luxation in beliebiger Richtung.
- Modifikatoren
- N0–N4 Neurologie, M1 dorsale Bänder unklar, M2 Komorbidität.
Typen in 3D
- A1 Keilfraktur
- Kompression einer Deckplatte ohne Beteiligung der Hinterkante. Stabil: Orthese oder keine Ruhigstellung, frühe Mobilisation.
- A3 inkomplette Berstungsfraktur
- Eine Deckplatte und die Hinterkante sind frakturiert; ein Fragment kann in den Spinalkanal zurückgedrängt werden (Retropulsion). Neurologisch intakt: oft konservativ.
- A4 komplette Berstungsfraktur
- Deck- und Grundplatte und die Hinterkante: stärkerer Höhenverlust und stärkere Spinalkanaleinengung. Operation bei Defizit oder ausgeprägter Kyphose.
- B2 Zuggurtung
- Dorsaler Bandkomplex in Flexion–Distraktion zerrissen: Die Dornfortsätze klaffen auseinander. Instabil: dorsale Instrumentierung.
- C Translation
- Verschiebung der Wirbelsäule in jeder Ebene: alle drei Säulen sind unterbrochen, meist mit Rückenmarksverletzung. Reponieren und instrumentieren.
Behandlung
- Konservativ
- A0–A3 neurologisch intakt und stabil: Analgesie, frühe Mobilisation mit oder ohne Orthese; Röntgen im Stehen zur Kontrolle einer progredienten Kyphose.
- Operativ
- Neurologisches Defizit mit Spinalkanaleinengung, B- und C-Verletzungen, A4 mit relevanter Kyphose: dorsale Pedikelschrauben-Instrumentierung, bei Bedarf mit Dekompression oder ventraler Rekonstruktion. Schmerzhafte osteoporotische Frakturen ohne Besserung: in ausgewählten Fällen Vertebroplastie/Kyphoplastie erwägen.
Nachbehandlung
Osteoporosebehandlung nach Fragilitätsfrakturen.
Komplikationen
- Progrediente Kyphose
- Neurologische Verschlechterung
- Anschlussfrakturen (Osteoporose)
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