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Sakrumfrakturen

AO/OTA 61 · AO Spine sakral

Denis-Zonen, U-Typ, Insuffizienz

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Das Sakrum ist der Schlussstein des hinteren Beckenrings und die Basis der Wirbelsäule. Die meisten Sakrumfrakturen sind die dorsale Komponente einer Beckenringverletzung; wenige trennen die Wirbelsäule vom Becken (U-Typ). Je näher die Fraktur an der Mittellinie verläuft, desto höher das Risiko für die sakralen Nervenwurzeln (Denis-Zonen). Bei älteren Menschen sind Insuffizienzfrakturen ohne oder mit minimalem Trauma häufig und werden oft übersehen.

Mechanismus

Hochrasanztrauma: Verkehrsunfälle, Stürze aus der Höhe und Suizidsprünge (U-Typ, «Jumper’s fracture»), meist im Rahmen einer Beckenringverletzung. Niedrigenergetisch: Insuffizienzfrakturen in osteoporotischem Knochen, nach Radiotherapie oder langer Steroideinnahme.

Klinik

Bildgebung

Klassifikation

Denis I
Alarzone, lateral der Foramina. Nervenverletzung in etwa 6% (Wurzel L5 zwischen Ala und Processus transversus L5 eingeklemmt).
Denis II
Durch die Foramina. Nervenläsion in etwa 28%, meist Wurzeln L5 und S1 (Ischialgie).
Denis III
Medial der Foramina, bis in den Sakralkanal, einschliesslich Querfrakturen. Nervenläsion in mehr als der Hälfte: Darm-, Blasen- und Sexualfunktionsstörung.
AO/OTA 61
Sakrumfrakturen als Teil des Rings: 61B inkomplette dorsale Unterbrechung (z. B. Wulstfraktur bei lateraler Kompression), 61C komplette dorsale Unterbrechung.
U-Typ
Bilaterale vertikale Frakturen, verbunden durch eine Querfraktur (meist S1–S2): Wirbelsäule und oberes zentrales Sakrum sind vom Becken getrennt (spinopelvine Dissoziation).

Typen in 3D

Denis I (alar)
Lateral der Foramina. Bei lateralem Kompressionsmechanismus staucht sich die Ala und die Beckenhälfte rotiert nach innen (mit Schambeinastfrakturen). Meist stabil; Nervenverletzungen sind selten.
Denis II (transforaminal)
Durch die Foramina: Bei vertikaler Scherung verschieben sich Hemipelvis und laterales Sakrum nach kranial und dorsal. Wurzeln L5 und S1 gefährdet; bei Trümmerzone Vollgewinde-(Stell-)Schrauben, um eine Kompression der Wurzeln zu vermeiden.
Denis III (quer)
Eine Querfraktur des unteren Sakrums (unterhalb der Iliosakralgelenke) nach Sturz auf das Gesäss: Das distale Segment flektiert nach vorne. Der Ring bleibt stabil, aber die Sakralwurzeln S2–S4 (Blase, Darm) sind gefährdet.
U-Typ (spinopelvine Dissoziation)
Bilaterale vertikale transforaminale Frakturen, verbunden durch eine Querfraktur auf Höhe S1–S2: Lendenwirbelsäule und oberes zentrales Sakrum lösen sich vom Becken und kippen in Kyphose. «Jumper’s fracture»; lumbopelvine Stabilisation.
Insuffizienz (H-Typ)
Bilaterale vertikale Alafrakturen, verbunden durch einen horizontalen Schenkel, in osteoporotischem Knochen nach geringem oder keinem Trauma. Undisloziert und im Röntgen leicht übersehen: MRT (STIR) oder CT.

Behandlung

Stabil (undisloziert im Ala-Bereich, Wulstfraktur bei lateraler Kompression, Insuffizienzfraktur)
Analgesie und Mobilisation mit Belastung nach Massgabe der Beschwerden; Osteoporoseabklärung und -behandlung. Persistierende Schmerzen, die die Mobilisation verhindern: Iliosakralschrauben oder Sakroplastie bei ausgewählten Patienten.
Instabile vertikale Frakturen (61C)
Geschlossene oder offene Reposition und iliosakrale oder transsakrale Schrauben oder posteriore Zuggurtungsplatte; spinopelvine (lumbopelvine) Stabilisation bei Trümmer- oder hochgradig instabilen Frakturen. Bei transforaminalen Trümmerfrakturen Vollgewindeschrauben (Stellschrauben) verwenden: Kompression kann die Nervenwurzeln einklemmen.
U-Typ und dislozierte Zone III
Lumbopelvine Stabilisation, oft kombiniert mit Iliosakralschrauben («trianguläre Osteosynthese»); Dekompression der Sakralwurzeln bei Defizit mit Einengung des Kanals.

Nachbehandlung

Teilbelastung 6–12 Wochen nach Stabilisierung instabiler Verletzungen (früher nach lumbopelviner Stabilisierung); Frühmobilisation bei Insuffizienzfrakturen.

Komplikationen

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