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Alle Lektionen › Abdomen · 8 Min.

Der Truncus coeliacus und die Blutversorgung des Oberbauchs

Magen, Leber, Gallenblase, Milz, Pankreas und der erste Teil des Duodenums (der Vorderdarm) beziehen ihr Blut alle aus einem kurzen Gefäss: dem Truncus coeliacus. Wer seine drei Äste kennt, versteht die Hälfte der Chirurgie des oberen Gastrointestinaltrakts.

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1. Mit der Aorta beginnen

Die Aorta abdominalis verläuft auf der Vorderseite der Wirbelkörper nach kaudal, leicht links der Mittellinie. Die V. cava inferior verläuft rechts daneben. Jede Darmarterie entspringt als unpaares Gefäss von der Vorderseite der Aorta.

Aus der Chirurgie: Drei unpaare Darmarterien verlassen die Vorderseite der Aorta, von oben nach unten: Truncus coeliacus (Vorderdarm), A. mesenterica superior (Mitteldarm) und A. mesenterica inferior (Hinterdarm). Merke: ein Darmabschnitt, eine Arterie.

2. Der Truncus coeliacus

Knapp unterhalb des Hiatus aorticus des Zwerchfells, auf Höhe T12–L1, verlässt ein kurzer, kräftiger Stamm die Vorderseite der Aorta: der Truncus coeliacus. Schon nach 1–2 cm teilt er sich wie ein Dreifuss in drei Äste.

Aus der Chirurgie: Das Lig. arcuatum medianum des Zwerchfells kann den Truncus komprimieren (Lig.-arcuatum-medianum-Syndrom: postprandiale Schmerzen, Gewichtsverlust). Bei einer Pankreatoduodenektomie muss man wissen, ob die Leber von Kollateralen der A. gastroduodenalis abhängt, bevor man sie ligiert.

3. Ast 1: A. gastrica sinistra

Der kleinste Ast verläuft nach oben links zur kleinen Kurvatur des Magens nahe dem Ösophagus. Er gibt Rr. oesophageales ab und verläuft dann entlang der kleinen Kurvatur nach unten.

Aus der Chirurgie: Blutende Magenulzera an der kleinen Kurvatur arrodieren Äste der A. gastrica sinistra. Bei einer Gastrektomie wird sie an ihrem Ursprung mit den umgebenden Lymphknoten (Station 7) durchtrennt.

4. Ast 2: A. splenica

Der grösste Ast verläuft nach links entlang des Oberrands des Pankreas, oft stark geschlängelt. Auf seinem Weg versorgt er das Pankreas, gibt die Aa. gastricae breves zum Fundus und die A. gastroomentalis sinistra entlang der grossen Kurvatur ab und endet in der Milz. Die V. splenica verläuft hinter dem Pankreas unterhalb der Arterie.

Aus der Chirurgie: Aneurysmen der A. splenica sind die häufigsten viszeralen Aneurysmen (Rupturrisiko in der Schwangerschaft). Bei einer Pankreaslinksresektion oder Splenektomie wird zuerst die A. splenica am Oberrand des Pankreas kontrolliert.

5. Ast 3: A. hepatica communis

Der dritte Ast verläuft nach rechts oberhalb des Pankreas und teilt sich in die A. gastroduodenalis, die hinter den ersten Teil des Duodenums abtaucht, und die A. hepatica propria, die zur Leber aufsteigt.

Aus der Chirurgie: Ein Ulkus an der Hinterwand des Bulbus duodeni arrodiert direkt die A. gastroduodenalis: massive obere gastrointestinale Blutung. Versagt die Endoskopie, umsticht der Chirurg das Gefäss über das eröffnete Duodenum.

6. In die Leber: das Lig. hepatoduodenale

Die A. hepatica propria steigt im freien Rand des Omentum minus zusammen mit dem Gallengang (rechts, vorne) und der V. portae (hinten) auf. Diese drei bilden die Glisson-Trias. Nahe der Leber teilt sich die Arterie in die A. hepatica dextra und sinistra; die A. cystica zur Gallenblase entspringt meist aus der A. hepatica dextra.

Aus der Chirurgie: Pringle-Manöver: Eine Klemme über den freien Rand des Omentum minus stoppt bei massiver Blutung den Zufluss zur Leber. Bei der Cholezystektomie kann die A. hepatica dextra eine Schlinge ins Calot-Dreieck bilden (Caterpillar Hump): ein weiterer Grund, vor dem Clippen den Critical View of Safety zu erreichen.

7. Ein Blick tiefer: die A. mesenterica superior

Etwa 1 cm unterhalb des Truncus coeliacus verlässt die A. mesenterica superior die Aorta hinter dem Pankreashals, kreuzt vor dem dritten Teil des Duodenums und versorgt den Mitteldarm. Der Pankreaskopf wird über Arkaden zwischen beiden Systemen versorgt (Aa. pancreaticoduodenales).

Aus der Chirurgie: Varianten sind wichtig: In etwa 15% entspringt die A. hepatica dextra aus der A. mesenterica superior (ersetzende A. hepatica dextra) und verläuft hinter dem Gallengang, wo sie bei einer Whipple-Operation oder Cholezystektomie leicht verletzt wird.

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